Sami an der Bushaltestelle


Am Rand des Bewusstseins 1

Die digitale Uhr wirkt stehengeblieben – oder die Sekunden sind einfach zu schwer, um sich zu bewegen.
Wohin soll es gehen?
Ich warte nicht auf den Bus,
ich sitze nur da und beobachte.
Ich spähe in ihre müden Seelen,
jene, die hastig zur Arbeit eilen,
ohne zu wissen, warum.
Warum gehen sie überhaupt,
wenn sie nicht glücklich sind?

Geld?
Ich hätte nie gedacht,
dass Geld so viel Elend verursachen kann.
Selbst ihre Schatten wirken schmal –
sie reflektieren nur noch
die Erinnerung an Lächeln,
die längst den Heimweg angetreten haben.
Drüben, auf der anderen Straßenseite,
nichts außer dem leichten Nachmittagswind.
Wohin soll ich gehen?
Egal.
Ich habe noch eine Packung Zigaretten.

Sami: Das Warten auf der anderen Seite

Nach einer Weile wurde die Haltestelle plötzlich voll.
Der Bus kam – beladen mit Menschen.
Alle Farben, alle Altersklassen,
doch ihre Gesichter… fast identisch:
Nase, Auge, Mund – ohne Ausdruck.
Als säßen sie nicht im Stadtbus,
sondern in Charons Boot
auf dem kalten Fluss Styx.

Ich zog mich langsam zurück.
Ließ meinen Platz frei
für jemanden,
dem das Stehen zu lange gedauert hatte.
Ich überquerte die Straße –
die Seite, auf der die Busse zurückkehren.
Sie war völlig leer.
Als gäbe es einen Abgrund
zwischen den beiden Straßenseiten,
den niemand sieht,
und den niemand überschreitet.

Keine digitale Uhr hier,
nur eine klassische,
stehen geblieben bei zehn Uhr.
Und dort saß ich.
Wartete.
Und beobachtete.

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